Vortrag von Manuel Pizarro


July 2, 2009
Karl H. Lincke

 

Am 10. Juni hatte ich das Vergnügen einen Vortragsabend der Wirtschaftsjunioren in der Deutschen Handelskammer von Madrid mit Manuel Pizarro zu moderieren. Pizarro wurde der breiten Öffentlichkeit während der Übernahmeschlacht um den spanischen Stromversorgers ENDESA bekannt an der auch der deutsche Stromkonzern Eon beteiligt war. Die Gründe warum Eon letztlich nicht zum Zuge kam, waren laut dem ehemaligen ENDESA Vorstandsvorsitzenden vielseitig. ENDESA hätte nichts gegen Eon einzuwenden gehabt, doch hätte die Übernahme von Anfang an durch den Kauf von Anteilen eingeleitet werden sollen und nicht allein mit einer Ankündigung in den Medien. Es schien wohl auch so, dass der deutsche Konzern wenig Sensibilität für die spanischen Befindlichkeiten zeigte.

 

Pizarro ist eine äusserst vielseitige Person. Als Jurist fing er zunächst im Staatsdienst an, wechselte aber schon bald an die Börse und gründete dort sein erstes Unternehmen. Heute gehört er verschiedenen Verwaltungsräten von börsennotierten spanischen Unternehmen an.

 

Bei den letzten spanischen Parlamentswahlen wurde er von der Volkspartei (PP) als Gegenpart zum Wirtschaftsminister, Pedro Solbes, aufgestellt. Obwohl Pizarro in die Politik gegangen ist, scheint er es sich nicht nehmen zu lassen, sich frei zu äussern. Klar skizierte er an dem Abend warum es zur gegenwärtigen Finanzkrise kam und warum Spanien zudem eine Wirtschaftskrise durchlebt. Bei seinen Ausführungen klang er durchweg eher wie ein Unternehmer und nicht wie ein Politiker.

 

  0 Kommentar





Krise auch im Sektor der Erneuerbaren Energien


May 28, 2009
Karl H. Lincke

 



In Spanien macht die Wirtschaftskrise auch nicht vor dem noch vor Kurzem boomenden Solarmarkt halt.
 
Aufgrund der verweigerten Prolongation der Kreditlinien sah sich der Vorstand der Sunline AG, ein deutscher Systemanbieter für Solartechnik, gezwungen, Insolvenzantrag beim Amtsgericht Fürth zu stellen. Die Probleme rühren anscheinend daher, dass Sunline in Spanien zwar grosse Photovoltaik-Kraftwerke baute, der Solarstrom jedoch nicht zügig ins dortige Netz eingespeist wurde. Dadurch entstanden hohe Einnahmeausfälle.
 
Das vorzeitige Auslaufen der alten Einspeisevergütung in Spanien Ende September 2008 macht das Unternehmen zusätzlich für die Schräglage verantwortlich. Lag der Umsatz des 2005 an die Börse gegangenen Unternehmens 2006 noch bei knapp 50 Millionen Euro, konnte dieses Umsatzvolumen dank der spanischen Großaufträge 2008 bereits im ersten Halbjahr eingefahren werden. Bei der Hauptversammlung im vergangenen Juli wurde deshalb noch mit einem Jahresumsatz von bis zu 100 Millionen Euro gerechnet. Dieser Aufschwung fand durch den Rückzug des Investors ein jähes Ende. Der Sunline-Vorstand hält angesichts der drohenden Liquiditätsprobleme durch die Kreditlinienkürzung die Fortführung der Unternehmenstätigkeit für gefährdet.
 
Diese Nachricht ist ein kleiner Schock für die Branche; sah man sich doch durch die politische Unterstützung des Sektors in den letzten Jahren als relativ gut für die Krise gewappnet.

 

 

  0 Kommentar





What is your customer worth?


May 21, 2009
Karl H. Lincke

Am 6. Mai hielt Professor Martin Böhm, Professor für Marketing am Instituto de Empresa,  für die Wirtschaftsjunioren einen Vortrag mit dem Titel “What is your customer worth? Customer Lifetime and Firm Value”.

In seiner Präsentation hob Prof. Böhm die Bedeutung des Customer Lifetime Values hervor, dem Wert einer engen Kundenbeziehung. Eine zentrale Frage dabei war, ob eine aufwendige Investition in den Kunden überhaupt sinnvoll wäre.

Die Firmen verfolgen meist die Strategie, im ersten Jahr der Produkteinführung in den Kunden zu investieren, demzufolge Verluste in Kauf zu nehmen. Und es wird bewertet, welche Kunden wertvoll sind und welche nicht. In den Folgejahren wird immer wieder der Wert des Kunden gemessen.

Prof.  Böhm hob dabei hervor, dass das Unternehmen, welches seine Zielgruppe ständig mit Angeboten locken möchte, die eigene Rentabilität dabei nicht ausser Acht lassen sollte. Eine Investition in den Kunden sei nur dann sinnvoll, wenn unter dem Strich das Unternehmen selbst davon auch ausreichend profitiert.

  0 Kommentar





Erfolgreiche Speck Mayonnaise


April 23, 2009
Karl H. Lincke

 

Auch wenn dieser Post eigentlich nicht viel mit der deutsch-spanischen Wirtschaft zu tun hat, hat die folgende Erfolgsgeschichte es verdient in diesem Blog erwähnt zu werden:

Zwei Angestellte einer IT Firma (s. Foto), die zusammen auf Geschäftsreise waren, stellten bei einem gemeinsamen Essen fest, dass sie beide eine Vorliebe für Speck hatten. Diese Vorliebe ging sogar soweit, dass sie sich wünschten, dass am Besten alles nach "Bacon" schmecken sollte. Das Erstaunliche ist, dass es nicht allein bei dieser Schnapsidee blieb, die zwei Angestellten gründeten zusammen ein Unternehmen und entwickelten ein Salz mit Speckgeschmack "Baconsalt". So konnten sie Suppen, Salate, Steaks, etc. mit dem geliebten Speckgeschmack versehen. Den Durchbruch, d.h. in die Regale aller amerikanischen Supermärkte, schafften es die Jungunternehmer mit Ihrer Erfindung der Mayonnaise mit Speckgeschmack ("Baconnaise").

Es ist doch immer wieder faszinierend zu sehen, wie in Zeiten von Fitness, Wellness und allen möglichen Diäten jemand der die verrückte Idee hat genau das Gegenteil anzubieten (nämliche die dekadente Mischung von zwei "Dickmachern")  so erfolgreich sein kann. Schade, dass diese unglaublichen Erfolgsgeschichten immer nur aus den USA und nicht aus Spanien oder Deutschland zu kommen scheinen.

 

  0 Kommentar





Vortrag Prof. Mirow bei den Wirtschaftsjunioren Madrid


April 16, 2009
Karl H. Lincke

 

Am 15.04.09 hielt Prof. Dr. Michael Mirow für die Wirtschaftsjunioren Madrid in der AHK einen Vortrag zum Thema “Unternehmen im Wettbewerb der Wertesysteme”.

Prof. Dr. Mirow, ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrates von Siemens, hat in seinem Vortrag hervorgehoben, dass eine der Ursachen für die Krise auch die Wertesysteme der Unternehmen seien. Auf ein unternehmerisches Wertesystem wirken viele Faktoren, wie z.B. die Gesellschaft, Kunden, Aktionäre, Lieferanten und Kreditinstitute ein. Dabei kämpft jeder um seine Nutzenmaximierung, wodurch die Systeme einem stetigen Wandel unterliegen.

Prof. Mirow setzte unter anderem eine nachhaltige Wertsteigerung als Maßstab für den Erfolg an und betonte zudem, dass die Globalisierung heutzutage eine weltweite Angleichung der Wertesysteme erfordert und letztlich wohl auch bewirken wird, da sie zur Zeit sogar von der Politik forciert wird.

Dem Vortrag folgte eine interessante Diskussionsrunde über das Thema an der sich die Teilnehmer rege beteiligten und Prof. Mirow auch Einblicke in die Compliance Aktivitäten von Siemens gab.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es ein sehr interessanter und Dank Prof. Mirows rhetorischem Können auch ein äußerst unterhaltsamer Abend war.

 

 

  1 Kommentar





Die Krise trifft auch die internationalen Anwaltskanzleien


March 27, 2009
Karl H. Lincke

Als Anwalt bekommt man oft zu hören, dass man in rezessiven Phasen antizyklisch partizipiere, Dies erweist sich jedoch in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise als Irrtum. Zwar steigt in wirtschaftlichen Abschwungphasen der Beratungsbedarf bei Unternehmen, die kurz vor dem Konkurs stehen; doch das Restrukturierungsgeschäft allein kann für viele Kanzleien das Ausbleiben großer Transaktionen nicht ausgleichen.

Insbesondere kämpfen Grosskanzleien gegen deutlich zweistellige Umsatzeinbrüche; denn seit dem die Unternehmenskäufe ausbleiben, weil sich Banken, Private-Equity-Fonds und strategische Investoren aus dem Markt verabschiedet haben, fehlen wichtige Einnahmequellen. Einige Wirtschaftskanzleien sind selbst über Nacht zu einem Restrukturierungsfall geworden. Vor allem angelsächsische Kanzleien sind stark betroffen. Bislang haben in Grossbritanien schon annähernd 3.000 Wirtschaftsanwälte ihren Job verloren.

Tagesaktuelle Zahlen zu den Entlassungen auf der Insel liefert das Branchenblatt „The Lawyer“ über einen „Legal Job Watch“ im Internet: Danach haben unter anderem die Kanzleien des sogenannten Magic Circle, d.h. Linklaters bislang 270 Anwälte, Allen & Overy 247, DLA Piper 176 und Clifford Chance 130 Anwälte entlassen. Doch nicht alle Kanzleien reagieren mit Massenentlassungen auf die Krise. So hat Norton Rose seinen Anwälten gerade das Angebot unterbreitet, für ein Jahr lang auf 15 Prozent ihrer Bezüge zu verzichten und dafür nur noch an vier Tagen die Woche zu arbeiten. Alternativ können die Associates auch ein Sabbatical von bis zu drei Monaten nehmen, wenn sie dafür mit 30 Prozent ihres Basisgehalts auskommen.

In Deutschland hat zwar noch keine Kanzlei Kurzarbeit angemeldet. Doch auch hierzulande kämpfen etliche der ganz grossen Kanzleien gegen deutlich zweistellige Umsatzeinbrüche. Partner, die nicht genügend Umsätze generieren, müssen gehen oder werden herabgestuft. Und die verbliebenen Anwaltsgesellschafter leisten Kapitalspritzen, um die Verluste auszugleichen. Hält die Wirtschaftskrise weiter an, dürfte die Unzufriedenheit steigen. Im Handelsblatt wurde jüngst darüber spekuliert, dass die eine oder andere internationale Großkanzlei in Deutschland zusammenbricht.

Um in der Vergangenheit die großen Transaktionen in kürzester Zeit zu stemmen, wurden die Anwaltsteams in der Boomzeit extrem aufgestockt. In der Spitze kamen so acht angestellte Anwälte auf einen Partner. Dieses Verhältnis wird jetzt wieder zurückgefahren.

Die Folge: Die Großen überarbeiteten derzeit ihre Geschäftskonzepte und suchen nachhaltige und möglichst konjunkturunabhängige neue Beratungsfelder, wie zum Beispiel den Markt für Erneuerbare Energien sowie die Medizintechnik, Branchen, die durch eine Vielzahl von kleineren bis mittleren Unternehmen angetrieben werden und damit eigentlich für Großkanzleien uninteressant sind.

Bei Mariscal & Asociados scheinen wir als kleinere internationale Wirtschaftskanzlei die Ausnahme zu sein, die die Regel bestätigt, denn derzeit entlassen wir keine Anwälte; vielmehr stellen wir gerade ein.

  0 Kommentar





Deutsch-Spanisches Forum in Madrid


March 16, 2009
Karl H. Lincke

Letzte Woche fand in Madrid das fünfte Deutsch-Spanische Wirtschaftsforum statt. Unter vielen interessanten und hochkarätigen Redner befanden sich u.a. Pedro Solbes, Finanz- und Wirtschaftsminister der spanischen Regierung sowie der deutsche Finanzminister, Peer Steinbrück. Der Schwerpunkt dieser zweitägigen Veranstaltung lag bei dem Thema „Die ökonomische Krise“. Einig waren sich die beiden Minister darin, dass die Finanzmärkte stärker reguliert werden müssen, um die Wiederholung einer derartigen Krise in Zukunft zu vermeiden. Steinbrück war sehr offen und gab auch zu verstehen, dass man über "Verstaatlichung" und "Enteignung" sprechen müsse. Wann diese Krise vorbei sei, wisse keiner. Wer aber Jemanden kenne, der es wisse, solle ihm die die Kontaktdaten geben, so Steinbrück scherzhaft. Solbes hob die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien hervor und äusserte sich skeptisch über eine schnelle Regenerierung der spanischen und der Weltwirtschaft.

  
Die Abschlussreden und der im wahrsten Sinne des Wortes krönende Abschluss hielten bei einem Mittagessen in der Madrider Börse der spanische König Juan Carlos I und der Bundespräsident Deutschlands, Horst Köhler.
 

  

 

  0 Kommentar





Spanischer Fiskus weitet Prüfungen aus


February 27, 2009
Karl H. Lincke

 

Mehr als 1000 Steuerbeamte, die bisher nur große Steuerbetrugsfälle untersucht haben, widmen sich jetzt vornehmlich der Überwachung von Kleinunternehmern, Selbstständigen und gut verdienenden Arbeitnehmern. Dabei sollen vor allem Umsätze bis zu vier Millionen Euro geprüft werden, die früher anscheinend nur bei auffälligem Verhalten kontrolliert wurden.

  0 Kommentar





Neues Insolvenzgesetz in Spanien


February 12, 2009
Karl H. Lincke

Das spanische Justizministerium hat die Reform des Insolvenzgesetzes bereits weitestgehend abgeschlossen. Die Reform soll vornehmlich den Banken in Spanien helfen. Es soll vor allem verhindert werden, dass die Gläubigerabkommen  zur  Aufteilung der Insolvenzmasse letztlich wirkungslos bleiben.  Dies geschah in der Praxis oft bei insolventen Immobilienfirmen. 

 Daneben  soll durch die Reform die gerichtliche Bearbeitungsdauer von Insolvenzanträgen beschleunigt werden; bisher war die  Bearbeitungszeit teilweise so lang, dass sich die finanzielle Situation der Antragsteller bis zum Verfahrensbeginn extrem verschlechterte.

 

  0 Kommentar





Wirtschaftliche Freiheit in Spanien wächst


January 29, 2009
Karl H. Lincke

Im Index für ökonomische Freiheit des nordamerikanischen Wall Street Journal und der Heritage Foundation für das Jahr 2009, "The 2009 Index of Economic Freedom", werden 183 Länder nach 10 spezifischen Kriterien, wie z.B. Handelshemmnisse, Geschäftsentfaltungschancen, Investitionsfreiheit und Eigentumsrechte analysiert.

Dabei schneidet Spanien im Gegensatz zu Deutschland besser ab als im Vorjahr. 

Nach dem Bericht beträgt die wirtschaftliche Freiheitsrate in Spanien 70,1, womit Spaniens Wirtschaft auf Platz 29 im Index der freisten Wirtschaftsstandorte rangiert. Seine Wertung hat sich seit dem letzten Jahr um einen Punkt erhöht aufgrund von Verbesserungen im Bereich der Steuerfreiheit und der Investitionsfreiheit. Innerhalb der 43 Länder in der Region Europas belegt Spanien Platz 16, die Gesamtwertung liegt gut über dem Weltdurchschnitt.

Es heißt dort weiter: „Spanien sticht vor allem hervor was die Geschäftsfreiheit, die Handelsfreiheit, die Investitionsfreiheit, die Finanzierungsfreiheit, die Eigentumsrechte und die Korruptionsrate betrifft. Die durchschnittliche Zollrate ist niedrig, aber zollfremde Handelshemmnisse beschränken nach wie vor die völlige Handelsfreiheit. Die Regierung hat die Bürokratie verschlankt und die Konzessionserteilung vereinfacht. Ausländische Investitionen unterliegen nur wenigen Beschränkungen seitens der Regierung. Spanien erfreut sich an einem modernen und konkurrenzfähigen Finanzsystem. Die Regelungen sind verständlich, die inländischen Zugriffsmöglichkeiten auf Kredite sind mehr als angemessen. Die Judikative ist unabhängig von der Politik, auch wenn bürokratische Hürden immer noch eine langsame Erledigung der Fälle verursachen.

Spanien ist relativ schwach einzuschätzen hinsichtlich der Steuerfreiheit, der staatlichen Wirtschaftsaktivitäten und der Arbeitnehmerfreiheit. Die Regierungsausgaben betragen fast 40 % des BIP. Die Verbesserung der Etatverwaltung ist einer der Hauptpunkte des Steuerreformprogramms. Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor eingeschränkt, was ein dynamischeres Arbeitsplatzwachstum verhindert.“

Deutschland liegt zwar mit Platz 25 vor Spanien hat sich jedoch aufgrund zunehmender staatlicher Regulierung leicht um -0,1 auf eine Rate von 70,5 verschlechtert.

Die Liste führen übrigens Hong Kong (Platz 1) und Singapur (Platz 2) an. Schlusslichter sind Zimbabwe und Nord Korea. Wer sich für die Details interessiert, kann den vollständigen Index kostenlos bei  http://www.heritage.org/Index/ einsehen.

 

 

 

  0 Kommentar