Einträge vom — Junio 2008
AHK Hauptversammlung
In den letzten Wochen war sehr viel los, ein Highlight in Madrid war die Hauptversammlung der deutschen Außenhandelskammer (AHK) für Spanien. Die Kammer hatte nämlich als Gastredner Herrn Manuel Pizarro eingeladen. Der ehemalige Präsident des Energieversorgers Endesa kandidierte im März für das spanische Parlament. Falls die spanische Volkspartei PP die Wahlen am 9. März gewonnen hätte, wäre der 56-Jährige voraussichtlich Wirtschaftsminister geworden. Pizarro wurde über die Grenze von Spanien hinaus vor allem durch seine Rolle während der Übernahmeschlacht um Endesa bekannt. Der katalanische Stromversorger Gas Natural machte damals ein Übernahmeangebot für Endesa, das nach Medienberichten von der Zentralregierung in Madrid als auch von der katalanischen Regionalregierung stark forciert wurde. Pizarro dagegen zeigte sich kämpferisch, Gas Natural biete einen „lächerlichen Preis“ für den Versorger. Im September 2005 trat er mit der spanischen Verfassung vor den Medien auf und bezeichnete die geplante Übernahme als verfassungswidrig und beklagte die mangelnde Rechtssicherheit in Spanien. In der Folge trat der deutsche Stromkonzern Eon auf den Plan und machte ebenfalls ein Übernahmeangebot. Obwohl dies sicherlich in vielerlei Hinsicht für alle beteiligten Parteien die sinnvollste Lösung war, kam die Übernahme durch Eon letztlich nicht zustande.Auf die Frage während der Hauptversammlung der AHK warum das großzügige Übernahmeangebot von Eon letztlich keinen Erfolg hatte, machte Pizarro allein die Regierung Spaniens verantwortlich, die interveniert habe.Erfreulich an der Hauptversammlung der AHK war nicht nur zu sehen, dass es durchaus Politiker gibt, die aus der Wirtschaft kommen und offen reden, sondern auch (für mich) das meine Person wieder für ein weiteres Jahr als Vertreter der Wirtschaftsjunioren Madrid in den Vorstand der AHK gewählt wurde.
Junio 24, 2008 0 Kommentar
Air Berlin spricht spanisch aber kein katalan

Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft Air Berlin weigert sich dem „Rat“ der balearischen Landesregierung zu folgen und die Kundenkommunikation vermehrt in der Regionalsprache Katalan bzw. in der Abwandlung Mallorquin, die auf Mallorca gesprochen wird, zu führen. In einem Schreiben der Landesregierung an Air Berlin hiess es wörtlich: „Ich wende mich an Sie, um Ihnen mitzuteilen, dass die Regierung der Balearen grosses Interesse daran hat, dass in der Kommunikation Ihres Unternehmens mit den Bürgern, die sich für Flüge mit Air Berlin entscheiden, ein adäquater Gebrauch der offiziellen Sprache der Inseln gewährleistet wird. Bei einer grundlegenden und essenziellen Dienstleistung, wie es die Flüge von und nach
Mallorca, Menorca und Eivissa (gemeint ist Ibiza) sind, ist es unerlässlich, dass den katalanischsprachigen Bürgern und Konsumenten in korrekter Weise die Verwendung ihrer Sprache garantiert wird“. Air Berlin wies darauf hin, dass die Implementierung einer weiteren Sprache zu unzumutbaren Kosten führen würde und wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. In dem Air Berlin Bordmagazin kann der CEO Joachim Hunold die Initiative nicht fassen und schreibt im Editorial vom „Rückfall in mittelalterliche Kleinstaaterei“ und davon dass der „Regulierungseifer“ der Behörden inzwischen dazu geführt habe, das Spanisch an den Schulen Mallorcas als eine weitere Fremdsprache wie En
glisch oder Deutsch behandelt werde. Auch wenn Spaniens kulturelle Vielfalt einen seiner schönsten Reize ausmacht, kann man aus wirtschaftlicher Sicht nicht nachvollziehen, warum einzelne Regionen Spaniens sich selber aus dem als einheitlich empfundenen spanischen Markt ausgrenzen wollen. Ein Drittel der Weltbevölkerung spricht Spanisch. Wenn Nordamerikaner eine Fremdsprache lernen ist es zu aller erst Spanisch. So ist es nicht mehr nachvollziehbar, dass Unternehme
n in den katalanischen Regionen Schilder und Werbung in spanisch und in katalanisch anbringen müssen und ausländische Unternehmerkinder nicht wie in allen anderen Gegenden Spaniens in Spanisch, sondern in Katalan unterrichtet werden. Dies soll sogar an manchen Schulen so weit gehen, dass die Pausenaufsicht den Kindern verbietet sich in Spanisch zu unterhalten. Mit 375 wöchentlichen Nonstop-Flügen nach Mallorca ist Air Berlin die mit Abstand wichtigste Airline auf dem Flughafen Palma. Den Worten von Hunold lässt sich jedoch entnehmen, dass Air Berlin durch solche Initiativen die Lust an dem Standort verlieren könnte. Easyjet hat übrigens seinen Südeuropa Hub in Madrid eingerichtet und ist froh über ihre Entscheidung. Kein Wunder: Die Regionalregierung differenziert sich von ihrem grossen Konkurrenten auf der Halbinsel Barcelona und betont bei jeder Gelegenheit, dass sie als Standort besonders „business friendly“ und cosmopolitisch sei. Als Wirtschaftsanwalt in Madrid kann ich dies übrigens nur bestätigen!
Junio 6, 2008 2 Kommentare




